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Teil 10

Vom Wolf zum Hund

Vom Wolf zum Hund...

10. Folge/ Teil 3 des kostenlosen Onlinelehrganges
Neuigkeiten aus der Wolfsforschung: Vom Wolf zum Hund


Hunde und Wölfe haben in etwa dieselben Instinkte, einige Feinheiten haben sich aber durch Zucht und Lebensumstände verändert (z.B Jagdverhalten: Bordercollie vs. Wolf). Trotzdem sollte man sich der wölfischen Verhaltensweisen bewusst sein.

Wölfe wecken bei Menschen viele Emotionen. In der einschlägigen Hundeszene werden sie vor allem immer dann hervorgeholt, wenn es darum geht, gewalttätige Erziehungsmaßnahmen gegenüber Hunden zu rechtfertigen:

Nach dem Motto „Bei Wölfen geht es auch nicht zimperlich zu!“ werden Hunde noch immer ungeniert mit lautem Gebrüll, Leinenrucken, Fellschütteln, Würge- oder Stachelhalsbändern, Schlägen und Elektroschockgeräten gequält.

Die Kommunikation unter Wölfen erfolgt aber hauptsächlich durch Blicke, Austausch körperlicher Signale und Berührungen. Lautäußerungen spielen hier nur eine untergeordnete Rolle. Dominanz bei Wölfen ist als ein Trieb anzusehen, der darauf ausgerichtet ist, Konkurrenten um Weibchen auszuschalten bzw. Futter oder Spielzeug zu bewachen. Wölfen „liegt es im Blut“, zu kommunizieren anstatt zu kämpfen!

Folgende Stufen sind bei Konflikten unter Wölfen zu beobachten:

Gegenseitiges Bedrohen
Gegenseitiges Erschrecken, kein Beißen
Demonstrieren von Stärke, aber ohne zu verletzen
Ebenso ist es mit der Kommunikation unter Hunden.

Manchmal können sich Hunde nicht einigen, weil keiner bereit ist nachzugeben. Bevor es jedoch zur Rauferei kommt, hat bereits Kommunikation stattgefunden. Diese „Vorbesprechung der Lage“ kann in zwei Sekunden erledigt sein. Der Hund, der nicht nachgegeben hat, wird gerne fälschlicherweise als aggressiv oder als verhaltensgestört bezeichnet.

Hunde, die zurückhaltend sind - mit eingezogenem Kopf herumgehen oder kaum wagen, den anderen anzusehen - erzeugen bei uns sofort Mitleid. Genau hier liegt das Problem: Hunden werden fälschlicherweise unsere Gefühlen und Moralvorstellungen zugeschrieben. Dabei zeigt der Hund in dieser Situation nur Calmingsignale um zu signalisieren, dass er kein Interesse an einer Auseinandersetzung hat.

Viele Hunde haben wie der Wolf ein stark ausgeprägtes Jagdverhalten. Das bedeutet, dass sie Dingen folgen, die sich bewegen (Jogger, Ball, laufendes Kind, Autos, Vögel, Hasen etc.). Der Reiz liegt hier nicht in der erhofften Nahrung sondern im Hetzen, das selbstbelohnend ist, auch wenn er am Ende nichts erwischt.

Es ist wichtig, „natürliches Instinktverhalten“ zu kennen, weil man dieses Verhalten nicht „wegstrafen“ kann! Umso wichtiger ist es, neue Wege zu finden, um das natürliche Verhalten zu beeinflussen und somit dem Hund Ersatzverhalten zu bieten.

Die neuesten wissenschaftlichen Studien von Mech belegen, dass Wölfe nicht in einer Rudelstruktur leben (wie von Zimen und anderen Wolfsforschern lange Zeit irrtümlich behauptet wurde), in der angeblich ständig ein Wolf versucht, den anderen zu dominieren. Nein – sie leben in einem Familienverband!

Wenn ich schon von Weitem Hundebesitzer sehe, die ihren Hund am Halsband zerren oder zurückhalten und sich dann noch wundern, warum ihr Hund aggressiv auf andere reagiert, weiß ich - "die leben noch im vorigen Jahrhundert!"
Schon lange ist es verpönt, Kinder zu schlagen, nur bei Hunden hinken wir noch nach. Kaum einer kann sich vorstellen, dass „Strafe“ bei Hunden nicht funktioniert. Also wie "ticken" Hunde?

Hunde würden freiwillig und lustvoll mit uns kooperieren.

Es geht in diesem Verband ausschließlich um Gewinn oder Verlust von Ressourcen (Besitz) und nicht darum, einen höheren Status zu erreichen! Dr. L. David Mech, ein angesehener amerikanischer Wildbiologe, hat auf diesen Umstand hingewiesen. Er hat dreißig Jahre seines Lebens damit zugebracht, den wahren Charakter der Wölfe zu erforschen und hatte das Glück, eine frei lebende Wolfsfamilie im äußersten Norden Kanadas über mehrere Jahre hinweg beobachten zu können – hautnah!

Mech konnte keine ausgeprägte Rangordnung erkennen – es handelte sich um eine natürliche Familiengruppe, bestehend aus einem Elternpaar und deren Jungen aus wenigen Fortpflanzungsperioden – er konnte auch keine Tendenz zu aggressiven Verhaltensweisen bestätigen.

Wölfe leben wie wir Menschen im Familienband, der aus Eltern, Kindern und Nesthockern besteht. Es gibt klare Arbeitsteilung und stabile Ordnungen; Wölfe leben in Gruppen, weil sie so erfolgreicher sind.

Als „Alpha-Paar“ bezeichnet man die führenden Tiere. Die Eltern sind also die Rudelführer, die Sicherheit geben. Aufgrund ihrer Erfahrungen und sozialer Kompetenz gehen sie bei schwierigen Situationen immer voran.

Was bedeutet das für uns Hundehalter? Wir müssen weder „Alpha-Tiere“, noch dominant, noch ein Rudelführer sein!

Bei Wölfen spielt Aggressionsverhalten in der Gruppe eine nicht annähernd so große Rolle, wie wir lange Zeit fälschlich geglaubt haben. Wir sind hier einem fatalen Irrtum aufgesessen, denn mehrere Jahrzehnte lang stammten die Beobachtungen des Verhaltens der Wölfe ausschließlich von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren, die willkürlich zu einem Rudel ohne Ausweichmöglichkeiten zusammengeschlossen wurden. Hier gab es weder Familienbande noch territoriale Freiheit! In freier Wildbahn stehen Wölfen mehrere tausend Quadratkilometer zur Verfügung, in Gefangenschaft wenige hundert Quadratmeter – und das zusammengepfercht mit meist willkürlich ausgewählten Artgenossen. Würde Ihnen da nicht auch häufig der Kragen platzen und jede Kleinigkeit wäre Anlass zum Streit?

In 13 Jahren Forschung in freier Wildbahn konnten keine Kämpfe um Rangordnung, Rudelführerschaft oder Dominanz beobachtet werden. Derartiges Verhalten wäre sinnlos, da es die Überlebenschancen und den Jagderfolg verringern würde.

Was bedeutet das für uns Hundehalter? Sie müssen nicht mehr ständig den Boss spielen, damit der Hund Sie akzeptiert! Führerschaft hat nichts mit Härte oder Autorität zu tun! Arbeiten Sie besser mit Vertrauen, Freundschaft und einer geschickten Portion Diplomatie.

Wenn Sie sich mit dem Thema Wölfe eingehender beschäftigen möchten, empfehle ich das Buch „Neue Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Caniden“ (Verlag Animal Learn) der Genetiker Ray und Lorna Coppinger.

Sie beschäftigten sich in ihrem Werk eingehend mit der Abstammung der Haushunde und gehen dabei von der Theorie aus, dass Hunde nicht direkt von unseren heutigen Wölfen abstammen, sondern sich zuerst eine Population von Caniden entwickelt habe, die eine niedrigere Fluchtdistanz hatte. Dies ermöglichte es ihnen, sich vom Müll der Menschen zu ernähren. Diese Caniden lebten zwar nicht mehr in Rudeln sondern hauptsächlich solitär, waren aber immer noch sehr soziale und kooperationsbereite Tiere. Aus ihnen seien unsere Haushunde entstanden. ->Dies würde bedeuten, dass das Verhalten von Wölfen ohnedies nicht eins zu eins auf unsere Haushunde übertragbar ist!

Die bekannten Wolfs- und Hundeexperten und Autoren Günther und Karin Bloch haben elf Jahre lang in kanadischen Nationalparks wildlebende Wölfe in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet. Ihr Verhalten wurde dokumentiert und in Fotos festgehalten. Das Ergebnis sind überraschende Erkenntnisse und neue Perspektiven, die Wesentliches von dem, was wir bisher über Wölfe zu wissen glaubten, revidieren.

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